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Harald Wolf in den 1980er Jahren
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Die Jahre 68/69, als es in West-Deutschland an den Universitäten zu rumoren begann, haben mich sehr geprägt: der Widerstand gegen die Notstandsgesetze und die große Koalition, der Beginn der sozial-liberalen Koalition 1969 mit Willy Brandts legendärem „Mehr Demokratie wagen“ und ab 1972 dann die Auseinandersetzung um die Ostverträge, die im Misstrauensvotum gegen Brandt gipfelte. Das waren innenpolitisch die Themen, die mich als Schüler begonnen haben zu politisieren.
Dazu kamen drei wichtige Ereignisse: der Vietnamkrieg und die entsprechende Mobilisierung dagegen. Der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei, der dem „Kommunismus mit menschlichem Antlitz“ unter Dubcek ein Ende gesetzt hat und der Putsch gegen den in Chile demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Allende.
Ich war ungefähr 16 Jahre alt, als ich ausgehend von den Debatten in der Schule und der Schülerbewegung auch begonnen habe, mich für die organisierte Politik zu interessieren. Ich habe zunächst bei den Falken vorbeigeschaut und bin dann im Umfeld trotzkististischer Gruppierungen gelandet, auch in Abgrenzung zu dem, was zum Beispiel von DKP und Jusos angeboten wurden. Die waren ja im Wesentlichen stamokap-orientiert. Bei den DKP-Gruppen hat mir dann auch das eher unkritische Verhältnis zum Stalinismus nicht gepasst. Für mich war aber der Zusammenhang zwischen Demokratie und Sozialismus, zwischen Demokratie und sozialer Gerechtigkeit immer ein wichtiger, sozusagen konstitutierend für meinen politischen Werdegang
Ja, während meiner Studienzeit, zuerst im Ruhrgebiet und dann seit 1977 in Berlin, war ich immer in unterschiedlichen Themen engagiert. Ich habe mein Politikstudium am Otto-Suhr-Institut der Freien-Universität fortgesetzt. Das war eine echte linke Hochburg in einer sowieso hoch politisierten Stadt
Harald Wolf wendet sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen bei Lidl
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1979, als sich auf Bundesebene die Grünen zu bilden begannen, habe ich mich in Berlin an dem Gründungs- und Diskussionsprozess um die Bildung der Alternativen Liste beteiligt. Ich habe aber damals die Gründung nicht mit vollzogen, wie eine ganze Reihe anderer undogmatischer Linker nicht.
Die Alternative Liste war in ihrer Ursprungszeit sehr stark dominiert war von der maoistischen KPD ‑ A Null - wie man sie liebevoll nannte, also Kommunistische Partei Deutschlands – Aufbauorganisation. Die zeichnete sich damals z. B. dadurch aus, dass sie zwar die Atomkraftwerke in der Bundesrepublik Arm in Arm mit der Anti-AKW-Bewegung bekämpfte, Atomkraftwerke aber in der Volksrepublik China als sozialistische Errungenschaften feierte.
1981 habe ich die Sozialistische Linke an der Freien Universität mit gegründet. Die ist aus einem breiten linken Bündnis entstanden, das sich gegen die Kanzlerkandidatur des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß 1980 zusammen gefunden hat. Dazu gehörten studentische Initiativen, gewerkschaftliche Gruppen gegen rechts und die Leute um den Künstler Klaus Staeck.
Nein, die sozialistische Linke hatte – ausgehend von den Freiräumen der Uni - eine stadtpolitische Orientierung. Wir wollten für gesellschaftliche Veränderungen ausgehend von den real existierenden West-Berliner Verhältnissen sorgen. Ein damals alle bewegendes Thema waren die Hausbesetzungen in West-Berlin. Die standen damals auch für Protest und Widerstand gegen den Filz von Immobilienwirtschaft und Politik, die Wohnraum knapp und damit teuer werden ließen, die gewachsene Kiezstrukturen durch unsinnige Sanierungsvorhaben zerstören wollten. Diese Bewegung bekam zusätzliche Dynamik, als im September 1981 nach der polizeilichen Räumung besetzter Häuser Klaus Jürgen Rattay unter einen Bus getrieben wurde und ums Leben kam. Das führte zu einer breiten Solidarisierung mit der Berliner Häuserkampf-Szene in der ganzen Bundesrepublik West und hievte damals auch die Frage staatlicher Gewalt, was kann und was darf Staat, wieder neu auf die Tagesordnung linker Debatten.