28.11.2009
Zentrales Zukunftsprojekt für die Region
Wirtschaftssenator Harald Wolf im Interview: "Ich arbeite für den Erfolg"
Die Linkspartei war ursprünglich wie die meisten Gutachten gegen den nahe an Wohnsiedlungen gelegenen Standort. Heute nennen Sie den Flughafen das größte Infrastrukturprojekt der Region und schwärmen von einem künftigen Flugverkehrs-Drehkreuz nach Osteuropa. Was bewirkte den Wandel in der Überzeugung?
Ich habe mich immer für einen leistungsfähigen Singleflughafen eingesetzt, weil ein solcher internationaler Flughafen ein Schlüsselprojekt für die wirtschaftliche Entwicklung und für Arbeitsplätze in der Region ist. Was den Standort angeht, habe ich, wie auch IHK und DGB, einen wohnortfernen Standort bevorzugt, weil dies sowohl geringere Lärmbelastung als auch weniger Einschränkungen – wie z.B. Nachtflugverbot - mit sich gebracht hätte. Die Standortentscheidung fiel, wie Sie wissen, anders. Das ändert nichts daran, dass der Flughafen ein zentrales Zukunftsprojekt für die Region ist. Deshalb arbeite ich für den Erfolg dieses Projekts.
BBI ist ein Magnet für Investoren trotz Finanz- und Wirtschaftskrise, heißt es. Gibt es dafür Beispiele?
Im unmittelbaren Umfeld des BBI sind heute vor allem Investoren aktiv und erschließen neue Gewerbeparks. So konnten große Flächen des BBI Businessparks an den etablierten britischen Gewerbeparkbetreiber SEGRO verkauft werden. Andere Investoren, z. B. Sitac oder Investa und Bulberry haben sich weitere Flächen gesichert. Darüber hinaus ist die Wirkung des zukünftigen Hauptstadtflughafens branchenübergreifend im Ansiedlungsgeschäft zu spüren. Allein im Süden Berlins sind 2008 rund 700 neue Arbeitsplätze in Unternehmen entstanden, bei denen der BBI ein wichtiges Kriterium bei der Standortwahl war.
Wie bewährt sich das mit Brandenburg gemeinsam gegründete Büro für Marketing, Akquisition und Unternehmensansiedlung?
Aufgabe des von Brandenburg und Berlin gegründeten Airport Region Team ist es, den BBI und die angrenzende Flughafenregion bei potenziellen Investoren im In- und Ausland bekannt zu machen und sie von der Hauptstadtregion zu überzeugen. Hierfür sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Airport Region Teams das ganze Jahr im In- und Ausland, auf Messen und Roadshows unterwegs, begleiten Unternehmensdelegationen und führen Informationsveranstaltungen und Investorenberatungen vor Ort durch.
Versuchen Sie auch große Fluggesellschaften vom Drehkreuz zu überzeugen?
Ja natürlich. Vor allem Fluggesellschaften aus dem Nahen und dem Fernen Osten interessieren sich weiterhin stark dafür, den BBI zu nutzen, um hier zuerst Direktverbindungen und später vielleicht auch Drehkreuzfunktionen aufzubauen.
Leider zeigt gerade die Lufthansa, als größte deutsche Fluggesellschaft, immer noch kein besonderes Interesse am Standort. Ich bin jedoch sicher, dass der BBI nach seinem Start selbst das überzeugendste Argument sein wird, sich stärker in Berlin zu engagieren.
Die Finanzkrise gefährdete auch die Finanzierung von BBI. Nun ist die öffentliche Hand über Bürgschaften zu 100 statt wie geplant zu 80% am Finanzierungsrisiko beteiligt. Wann könnte BBI mal ein Gewinnobjekt sein? Und was bedeutet es für die Stadt, wenn es viel länger dauern sollte?
Die Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH als Bauherrin des BBI kann zur Finanzierung Darlehen in Höhe von bis zu 2,4 Mrd. ¤ aufnehmen. Die derzeitigen Planungen gehen davon aus, dass diese Darlehen bis zum Jahr 2026 zurückgeführt sein werden.
Der Zeitpunkt zum Abschluss der Finanzierung war natürlich denkbar ungünstig. Aber angesichts der akuten Finanzkrise, die dazu führte, dass die Banken von heute auf morgen nicht mehr bereit waren, derartig große Projektfinanzierungen zu übernehmen, blieb das Anheben der Bürgschaftsquote die einzige Alternative.
Rein betriebswirtschaftlich betrachtet kann der BBI übrigens auch schon vor der Rückzahlung der Darlehen ein Gewinnobjekt sein, nämlich dann, wenn die Einnahmen, die die Flughafenbetreiber erhalten, die Kosten für den Betrieb des BBI und die Zins- und Tilgungszahlungen übersteigen.
Mehrfach ist der Starttermin für den Flughafen BBI verschoben worden. Glauben Sie an die Eröffnung zum geplanten Zeitpunkt 2011?
Der Startschuss für den Bau des BBI fiel mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im Frühjahr 2006. Seit diesem Zeitpunkt plant die Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH die Eröffnung des BBI zum Herbst 2011. Der Zeitplan war von Anfang an sehr ambitioniert. Aber wir sind im Zeitplan, nur knapp zwei Jahre vor der Eröffnung bin ich zuversichtlich, dass der Eröffnungstermin gehalten werden kann.