Harald Wolf
Logo der Mindestlohnkampagne der Linkspartei.PDS
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Auf den Gewerkschaftskundgebungen am 1. Mai wird die Forderung nach
einem gesetzlichen Mindestlohn ein zentrales Thema sein. Die
Stimmen werden mehr und lauter, selbst die im Bund regierenden
Parteien hat die gesellschaftliche Debatte darüber inzwischen
eingeholt.
Der internationale Wettbewerb um Niedrig- und Niedrigstlöhne
führt wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisch in die Irre.
Immer größere Teile der Bevölkerung werden von
gesellschaftlicher Teilhabe einschließlich Konsum
ausgegrenzt, weil sie sich diese nicht mehr leisten können.
Das schadet dem Gemeinwesen, der Demokratie und letztlich der
Wirtschaft selbst. Von Arbeit muss man leben können. Aus
anderen europäischen Ländern wie Frankreich und
Großbritannien, die längst Mindestlöhne
eingeführt haben, wissen wir, dass dies möglich
ist.
Frauen werden von der Einführung des Mindestlohns besonders
profitieren. Sie verdienen nach wie vor im Durchschnitt deutlich
weniger als Männer. 70 Prozent aller im Niedriglohnsektor
Beschäftigten sind Frauen. Selbst etliche Tariflöhne wie
3,06 Euro für Friseurinnen in Sachsen und 5,33 Euro für
Floristinnen in Sachsen-Anhalt sind nicht existenzsichernd. Frauen,
die in den Niedriglohn-Bereichen arbeiten, sind bloße
Zuverdienerinnen und damit auf ihre Partner oder auf
ergänzende Transferleistungen angewiesen. Ein verantwortbares
und modernes Frauenbild muss das Recht auf eigenständige
Existenzsicherung einschließen. Rund die Hälfte aller
Beschäftigten im Osten und etwa ein Drittel im Westen arbeiten
in Betrieben, die überhaupt nicht tarifgebunden sind. Für
viele von ihnen wird ein Mindestlohn zu Einkommenssteigerungen
führen.
Die Einführung eines Mindestlohns kann auch dazu beitragen,
dass weniger Vollzeitstellen in Teilzeit- oder geringfügige
Beschäftigungsverhältnisse aufgesplittet werden, weil die
Lohnkosten pro Stunde gleich bleiben. Auch das nutzt vor allem
Frauen. Zwei Drittel aller Frauen, die in Teilzeit oder
geringfügig arbeiten, wollen Vollzeit-Stellen.
Tatsächlich haben sie derzeit aber kaum eine Chance, ihre
Arbeitszeit auszuweiten.
Die Einführung eines Mindestlohns ist also
wirtschaftspolitisch vernünftig, arbeitspolitisch notwendig
und frauenpolitisch zwingend. Das sind genügend Gründe,
warum die Linkspartei.PDS an diesem Wochenende gemeinsam mit der
WASG ihre Mindestlohn-Kampagne startet und warum ich in meiner
Funktion als Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen in
Berlin diese Kampagne zur Einführung des Mindestlohns
unterstütze: Niemand soll unter mindestens acht Euro brutto
Stundenlohn arbeiten müssen.
Quelle: www.nd-online.de